Scham ist eines der stärksten Gefühle im Zusammenhang mit Sucht – und eines der gefährlichsten. Sie sorgt dafür, dass genau die Menschen schweigen, die am dringendsten Unterstützung bräuchten.

Scham als Verstärker, nicht Bremse

Viele glauben, Scham könnte helfen, ein Verhalten zu stoppen. Das Gegenteil ist der Fall: Scham macht einsam, und Einsamkeit ist einer der stärksten Auslöser für Suchtverhalten.

Statt „Ich sollte das nicht tun, also lasse ich es“ entsteht meist: „Ich bin so jemand, der das tut – dann kann ich auch gleich weitermachen.“

Der Teufelskreis

Sucht entsteht, Scham folgt, Scham verstärkt das Bedürfnis nach Ablenkung, das Suchtmittel folgt erneut. Dieser Kreislauf schließt sich immer wieder – und wird mit jeder Runde ein Stück fester.

Besonders schwer wiegt dabei die Angst, verurteilt zu werden: von Partner, Familie, Kolleginnen oder sich selbst.

Wie du ihn durchbrichst

Der erste Riss im Kreislauf entsteht meist durch eine einzige ehrliche Aussage gegenüber einem Menschen, der nicht urteilt. Das muss nicht sofort eine Therapeutin sein – aber es hilft enorm, wenn diese Person Erfahrung mit Sucht hat.

Genau das ist der Kern professioneller Suchttherapie: ein Raum, in dem nichts von dem, was du sagst, dich kleiner macht.

„Scham flüstert: Wenn andere wüssten, wie es wirklich ist, würden sie dich verurteilen. Die Erfahrung zeigt: Das Gegenteil passiert fast immer.“

Du musst dich für nichts rechtfertigen, bevor du dir Hilfe holst. Der Mut, ehrlich zu sein, ist bereits der erste Schritt aus der Scham heraus.

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